
Der Golden Retriever
Wenn mich jemand fragt, warum ich Golden Retriever so liebe, könnte ich wahrscheinlich sehr lange erzählen.
Für mich sind sie die Clowns unter den Hunden. Goldies haben oft diese ganz besondere Art, mit der sie einen schon morgens zum Lachen bringen können, obwohl man eigentlich noch gar nicht richtig wach ist. Sie können unglaublich charmant sein, manchmal ein bisschen tollpatschig, manchmal herrlich albern – und meistens sind sie sehr überzeugt davon, dass sie zu allem dazugehören.
Genau das macht für mich einen großen Teil ihres Wesens aus.
Ein Golden Retriever möchte nicht einfach irgendwo in der Nähe sein. Er möchte mittendrin sein. Am liebsten dort, wo seine Menschen gerade sind – und wenn dort zufällig noch etwas Essbares herumliegt, umso besser.
Der nette Goldie braucht trotzdem Regeln
Golden Retriever haben den Ruf, besonders freundlich und unkompliziert zu sein. Das stimmt auch in vielen Punkten. Sie sind meist sehr menschenbezogen, offen und möchten gerne gefallen.
Was dabei aber gern vergessen wird: Auch ein Golden Retriever braucht klare Grenzen und absolute Konsequenz.
Und zwar nicht irgendwann, sondern von Anfang an.
Goldies sind nicht nur freundlich, sie sind auch ziemlich schlau. Sie merken sehr schnell, ob eine Regel wirklich gilt oder nur gelegentlich. Wenn etwas heute verboten ist, morgen vielleicht doch erlaubt und übermorgen wieder verboten, dann wird ein Golden Retriever ziemlich sicher ausprobieren, welche Variante gerade gilt.
Das meine ich nicht negativ. Es gehört einfach dazu.
Für mich bedeutet Konsequenz deshalb nicht, streng oder hart zu sein. Im Gegenteil. Ein Hund braucht Klarheit. Regeln sollen verständlich sein, ruhig vermittelt werden und zuverlässig gelten.
Ein Golden Retriever, der weiß, woran er ist, kann sich wunderbar entwickeln. Einer, der ständig selbst herausfinden muss, wo die Grenzen liegen, wird genau das tun.
Und vermutlich mit ziemlich viel Einfallsreichtum.
Essen? Immer interessant.
Über ein Thema muss man beim Golden Retriever eigentlich gar nicht lange diskutieren: Futter ist wichtig. Sehr wichtig.
Viele Goldies sind rassetypisch ausgesprochen verfressen. Manche würden wahrscheinlich behaupten, sie seien grundsätzlich kurz vor dem Verhungern – selbst wenn das Frühstück gerade fünf Minuten her ist.
Draußen kann diese Begeisterung allerdings schnell unangenehm werden. Denn was für den Hund interessant riecht, ist nicht automatisch etwas, das er fressen sollte.
Deshalb gehört für mich ein konsequentes Antifress-Training ganz selbstverständlich zur Erziehung dazu.
Ein Hund kann lernen, Fressbares liegen zu lassen, auf ein Signal zu reagieren und sich in solchen Situationen an seinem Menschen zu orientieren. Das braucht Wiederholung und Konsequenz, funktioniert aber sehr gut, wenn man früh damit beginnt und im Alltag dranbleibt.
Die Vorliebe fürs Essen wird dadurch natürlich nicht verschwinden.
Aber sie lässt sich steuern.
Und ganz ehrlich: Beim Training hat ein verfressener Golden Retriever auch seine Vorteile. Für das richtige Leckerchen kann plötzlich sehr viel Motivation vorhanden sein.
Der berühmte Goldie-Blick
Golden Retriever sind häufig sehr feinfühlig. Sie beobachten genau und merken schnell, wie ihre Menschen reagieren.
Und dann gibt es natürlich noch diesen Blick.
Wer mit einem Golden Retriever zusammenlebt, kennt ihn wahrscheinlich. Dieser Gesichtsausdruck, der einem ziemlich überzeugend vermitteln möchte, dass der Hund seit mindestens drei Wochen nichts mehr gefressen hat, niemand ihn lieb hat und diese eine Ausnahme wirklich niemandem schaden würde.
Genau hier beginnt Konsequenz.
Denn ein Goldie merkt sich sehr zuverlässig, bei wem dieser Blick funktioniert.
Wenn der Hund heute auf das Sofa darf, weil er so süß schaut, morgen aber eigentlich nicht, hat meistens nicht der Hund ein Problem mit den Regeln.
Deshalb sage ich immer: liebevoll ja – aber eindeutig.
Nicht nur Familienhund, sondern Retriever
Bei aller Gemütlichkeit darf man nicht vergessen, wofür diese Hunde ursprünglich gezüchtet wurden.
Golden Retriever sind Apportierhunde. Viele tragen diese Anlagen nach wie vor deutlich in sich. Sie suchen gern, tragen gern Dinge herum, arbeiten gern mit ihrer Nase und haben Freude daran, gemeinsam mit ihrem Menschen Aufgaben zu lösen.
Man muss daraus keinen Leistungssport machen.
Aber ein Golden Retriever möchte beschäftigt werden – körperlich und vor allem auch im Kopf.
Dummyarbeit, Nasenarbeit, Apportieren, gemeinsame Spaziergänge und kleine Aufgaben im Alltag können wunderbar passen. Wichtig ist mir dabei aber immer die Balance.
Denn genauso wichtig wie Beschäftigung ist für mich, dass ein Hund Ruhe lernt.
Ein Golden Retriever muss nicht den ganzen Tag Programm haben. Im Gegenteil. Er sollte auch einmal liegen können, obwohl gerade nichts passiert. Er sollte warten können, abschalten können und nicht erwarten, dass sein Mensch rund um die Uhr für Unterhaltung sorgt.
Ruhe ist etwas, das Hunde genauso lernen dürfen wie Sitz, Platz oder Rückruf.
Ein Familienhund – wenn man ihn dazu macht
Golden Retriever werden sehr oft als ideale Familienhunde bezeichnet.
Ich würde sagen: Sie bringen dafür sehr viele wunderbare Eigenschaften mit.
Aber kein Hund kommt fertig erzogen auf die Welt.
Auch der freundlichste Golden Retriever braucht Zeit, Erziehung und Orientierung. Ein junger Goldie kann temperamentvoll sein. Er kann seine Grenzen testen. Er kann Sachen klauen, herumalbern, Futter suchen, plötzlich vergessen, was er eigentlich gelernt hat – und dabei aussehen, als hätte er mit der ganzen Sache überhaupt nichts zu tun.
Das gehört für mich genauso zu dieser Rasse wie ihre liebevolle Seite.
Wer einen Golden Retriever nur deshalb möchte, weil er als „einfacher Familienhund“ gilt, sollte sich vorher gut mit der Rasse beschäftigen.
Wer dagegen Freude daran hat, mit seinem Hund gemeinsam zu lernen, ihm klare Regeln zu geben und ihn wirklich ins Familienleben einzubeziehen, findet im Golden Retriever einen ganz besonderen Begleiter.
Warum ich Goldies liebe
Ich liebe an Golden Retrievern nicht, dass sie perfekt sind. Das sind sie nämlich nicht.
Ich liebe ihren Humor, ihre Lebensfreude und ihre Begeisterungsfähigkeit. Ich mag ihre Nähe zum Menschen, ihre Sensibilität und gleichzeitig diese manchmal herrlich eigensinnigen Ideen.
Sie können einen an manchen Tagen wirklich fordern.
Und fünf Minuten später bringen sie einen wieder zum Lachen.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Hunde für mich so besonders sind.
Ein Golden Retriever ist für mich eine wunderbare Mischung aus Sanftmut, Arbeitsfreude, Sensibilität, Charme und einer ordentlichen Portion Quatsch im Kopf.
Wer ihm klare Orientierung gibt, Zeit mit ihm verbringt und nicht bei jedem treuen Blick alle Regeln über Bord wirft, bekommt einen Hund, der sehr eng mit seinen Menschen durchs Leben geht.
Und meistens einen, mit dem es ganz sicher nicht langweilig wird.